Three Years for a Broom

Handwerk · Nara

Warum ein kleiner Bambusbesen aus Nara so viel mit einer Schweizer Uhr gemeinsam hat.

Chasen, der Bambusbesen für Matcha
Der Chasen aus Takayama.

Zwei Uhren, von aussen fast gleich. Die eine stammt aus dem Vallée de Joux, die andere vom Fliessband. Den Unterschied sieht man nicht auf den ersten Blick. Man spürt ihn jeden Tag.

Genau so ist es mit dem Chasen (茶筌), dem Bambusbesen für Matcha. Er sieht schlicht aus. Doch hinter einem echten Chasen stecken 500 Jahre Geschichte, drei Jahre Geduld und ein Handwerk, das bis heute vom Vater an ein einziges Kind weitergegeben wird.

01 — Der Ort

Das Vallée de Joux des Tees

Über 90 % aller japanischen Chasen stammen aus einem einzigen Ort: Takayama (高山, たかやま) in der Präfektur Nara. So wie sich die Uhrmacherei im Jura konzentriert, hütet dieses kleine Bergdorf ein Handwerk, das es so nirgendwo sonst gibt.

Die Geschichte beginnt vor rund 500 Jahren. Takayama Sōsetsu fertigte den ersten Chasen für seinen Freund Murata Jukō, einen der Väter der Teezeremonie. Als der Kaiser zu Besuch kam, erhielt er einen Chasen als Geschenk. Seither gilt das Prinzip «Ichishi Sōden» (一子相伝, いっしそうでん): Das Wissen geht nur an ein einziges Kind.

Die Geheimhaltung war so streng, dass die Handwerker tagsüber ihren Dienst leisteten und nachts heimlich Chasen schnitzten. In manchen Werkstätten wird bis heute nachts gearbeitet.

Chasen aus Takayama
Feine Spitzen, von Hand geschabt.
02 — Das Handwerk

Drei Jahre für einen Besen

Bevor ein Messer den Bambus berührt, vergehen zwei bis drei Jahre. Der Bambus wird im November und Dezember geschnitten, getrocknet, entölt und dann gelagert, bis er reif ist. Genau diese Geduld unterscheidet Takayama von Massenware.

Dann beginnt die Handarbeit. Der Meister spaltet das Bambusrohr in 16 Segmente und teilt jedes davon in immer feinere Spitzen. Diese schabt er von Hand hauchdünn, bis sie weich und biegsam sind. Zum Schluss fixiert ein Faden die Form.

Alles entsteht aus einem einzigen Stück Bambus, mit einem einzigen Messer.

Das Ergebnis spürt man sofort: Die feinen Spitzen schlagen einen dichten, cremigen Mikroschaum. Ein Billig-Chasen hinterlässt grobe Blasen, die schnell zerfallen.

03 — Das Ritual

Kein Werkzeug, sondern ein Ritual

In Japan begleitet ein Ritual den Chasen durch sein ganzes Leben, ähnlich wie man eine gute Uhr aufzieht und pflegt.

Das Leben eines Chasen
  1. Die Wahl: Je mehr Spitzen, desto feiner der Schaum. Früher, so wird überliefert, waren Chasen mit 80 und mehr Spitzen den Fürsten vorbehalten, 120 Spitzen dem Shōgun.
  2. Das Erwachen: Vor dem ersten Gebrauch ruhen die Spitzen rund fünf Minuten in warmem Wasser, bis sie weich werden.
  3. Die Begrüssung: In der Teezeremonie beginnt jede Zubereitung mit dem Chasen-tōshi (茶筅通し, ちゃせんとおし). Der Besen wird erwärmt und geprüft, ein kurzer Moment der Sammlung.
  4. Die Pflege: Mit lauwarmem Wasser ausspülen, ohne Spülmittel, und luftig trocknen lassen. Bambus lebt.
  5. Der Abschied: Ein abgenutzter Chasen landet nicht im Müll. Tempel halten eine eigene Zeremonie ab, das Chasen-kuyō (茶筅供養, ちゃせんくよう). Man dankt dem Besen für all die Tassen, die er möglich gemacht hat.
Chasen für Matcha
Ein Besen, ein Ritual.
04 — Die Echtheit

Das «Swiss Made» des Chasen

Viele Chasen im Handel stammen aus Massenproduktion, auch wenn «Japanese Style» draufsteht. Ein echter Takayama-Chasen trägt ein goldenes Siegel mit der Aufschrift 伝統工芸品 (でんとうこうげいひん). Es steht für offiziell anerkanntes traditionelles Kunsthandwerk und ist das, was für uns das «Swiss Made» auf dem Zifferblatt ist.

Ein kleines Detail für Kenner: Üblich ist die Schreibweise 茶筅. Steht dagegen 茶筌 auf der Verpackung, ist das ein Hinweis auf Takayama.

Das Handwerk steht unter Druck. In den 1970er-Jahren gab es in Takayama fast 50 Werkstätten, heute sind es noch rund 16. Mit dem weltweiten Matcha-Boom sind echte Takayama-Chasen knapp geworden.


Du würdest keine Kopie einer Schweizer Uhr tragen. Warum also Matcha mit einer Kopie schlagen?

Unser Takayama Chasen mit 100 Spitzen kommt direkt aus Nara, mit Echtheitssiegel und der Originalbeilage des Herstellers. Er ist der Anfang deines eigenen Rituals.

Gabrijel, ORIZUMI

ORIZUMI.CH
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