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Der Preis des Hypes: Wie der weltweite Matcha-Boom Japans Teekultur an ihre Grenzen bringt
Matcha-Getränke gehören inzwischen zum festen Angebot vieler Cafés, in sozialen Netzwerken erzielt das grüne Pulver hohe Reichweiten. Zugleich häufen sich in Japan Berichte, wonach traditionelle Teefelder innerhalb weniger Minuten nach Verkaufsstart ausverkauft sind. Was von aussen wie eine Erfolgsgeschichte wirkt, bedeutet für Teile der japanischen Teewirtschaft das Gegenteil.
Wenn eine Jahresernte in einer Viertelstunde vergriffen ist
In Kyoto sind Teefelder inzwischen innerhalb von rund fünfzehn Minuten nach Verkaufsstart ausverkauft. Parallel dazu zieht die Nachfrage nach klassischem Sencha die Preise mit: In einzelnen Regionen wurden Aufschläge von über 200 Yen pro 100 Gramm innerhalb weniger Monate verzeichnet. Mehrere traditionelle Teehäuser haben den Verkauf ihres zeremoniellen Matchas inzwischen rationiert — ein Vorgehen, das sonst eher aus dem Luxusgütersegment bekannt ist.
Ein strukturelles, kein vorübergehendes Problem
Matcha wird aus Tencha-Blättern hergestellt, deren Anbau arbeitsintensiv, wenig mechanisierbar und stark von Handarbeit abhängig ist. Die Umstellung eines Feldes von Sencha auf Tencha dauert mindestens fünf Jahre — eine Investition, die sich viele landwirtschaftliche Betriebe schlicht nicht mehr leisten können. Japans Landwirtschaft ist überaltert, an Nachfolgern mangelt es vielerorts.
Weil Kapazitäten zunehmend in Richtung Matcha verschoben werden, sinkt die Produktion von Sencha und Gyokuro — jener Tees, die traditionell das Rückgrat des japanischen Alltagskonsums bilden.
Die Folge: Fachgeschäfte, die auf klassischen Aufgusstee spezialisiert sind, geraten wirtschaftlich unter Druck. Gleichzeitig werden bei Teeverarbeitern Rekordzahlen an Betriebsaufgaben gemeldet — mitten im vermeintlichen Boom.
Wer profitiert – und wer nicht
- Betriebe, die frühzeitig investiert haben, wachsen mit der Nachfrage mit.
- Kleinere Betriebe, die zu spät reagiert haben, verlieren den Anschluss — verschärft durch günstigere ausländische Konkurrenz.
- Auch Teezeremonie-Klubs an japanischen Schulen berichten von Engpässen bei Übungsmaterial.
- Branchenvertreter diskutieren offen, ob die exportierte Menge an „Matcha-Pulver" die tatsächliche Tencha-Ernte inzwischen übersteigt.
Was das für uns bedeutet
ORIZUMI vertreibt Matcha und profitiert damit vordergründig von der beschriebenen Entwicklung. Umso wichtiger erscheint es uns, die Kehrseite des Booms offen zu benennen. Der Import eines solchen Produkts bedeutet aus unserer Sicht auch Verantwortung gegenüber jenen, die es herstellen.
Direkter Handel statt anonymer Grosshandel, Selektivität statt Volumenmaximierung, Aufklärung statt reiner Vermarktung.
Der gegenwärtige Boom wird nach Einschätzung von Branchenbeobachtern nicht auf diesem Niveau bleiben. Ob er als kurzfristiger Hype abklingt oder sich zu einer nachhaltigeren Form der Nachfrage entwickelt, dürfte auch davon abhängen, wie Importeure, Cafés und Konsumentinnen und Konsumenten in Europa sich in den kommenden Monaten verhalten.
Bis zur nächsten Ausgabe,
ORIZUMI